Ausbildung in Deutschland für Ausländer: der Weg Schritt für Schritt
In Deutschland suchen viele Betriebe Auszubildende, und viele stellen auch junge Menschen aus dem Ausland ein. Hier erfährst du Schritt für Schritt, was du brauchst: vom Deutschkurs über die Bewerbung bis zum Visum.
Die Angaben sind vereinfacht. Was in deinem Fall gilt, sagt dir die deutsche Botschaft in deinem Land. Viele offizielle Informationen findest du auch bei Make it in Germany, dem Portal der Bundesregierung für Fachkräfte aus dem Ausland.
Was eine duale Ausbildung ist
Die meisten Ausbildungen in Deutschland sind „dual“. Das heißt: Du arbeitest an drei bis vier Tagen pro Woche in einem Betrieb und lernst an ein bis zwei Tagen in der Berufsschule. Manchmal ist die Berufsschule auch in Blöcken von mehreren Wochen. Eine duale Ausbildung dauert meist zwei bis dreieinhalb Jahre.
Du schließt einen Ausbildungsvertrag mit dem Betrieb und bekommst jeden Monat eine Ausbildungsvergütung. Am Ende machst du eine Prüfung und hast einen anerkannten Berufsabschluss.
Daneben gibt es schulische Ausbildungen, zum Beispiel in manchen Gesundheits- und Sozialberufen. Dort lernst du vor allem an einer Schule, und nicht immer bekommst du Geld. Die Pflegeausbildung ist eine Mischung aus Pflegeschule und Praxis, mit Vergütung.
Was du brauchst
Einen Ausbildungsplatz
Das Wichtigste ist ein Betrieb, der dich ausbilden will. Ohne Ausbildungsplatz bekommst du kein Visum zur Berufsausbildung. Wie du einen Platz findest, steht weiter unten.
Deutschkenntnisse
In der Berufsschule und im Betrieb sprichst du Deutsch. Für das Visum zur Ausbildung musst du in der Regel Deutsch auf Niveau B1 nachweisen. Das gilt nicht, wenn der Betrieb deine Deutschkenntnisse schon selbst geprüft hat oder wenn du vor der Ausbildung einen vorbereitenden Deutschkurs in Deutschland machst.
Viele Betriebe wünschen sich B1 oder B2, Pflegeschulen oft B2. Fang deshalb so früh wie möglich mit Deutsch an. Ein Zertifikat, zum Beispiel vom Goethe-Institut oder von telc, macht deine Bewerbung viel stärker.
Einen Schulabschluss
Für die meisten dualen Ausbildungen schreibt das Gesetz keinen bestimmten Schulabschluss vor. Die Betriebe entscheiden selbst, wen sie nehmen. Ein guter Abschluss hilft aber sehr.
Für manche Ausbildungen gibt es feste Regeln. Für die Pflegeausbildung brauchst du zum Beispiel einen Abschluss, der einem mittleren Schulabschluss entspricht. Ob dein ausländischer Abschluss gleichwertig ist, entscheidet dann eine Stelle in dem Bundesland, in dem du lernen willst, meist die Zeugnisanerkennungsstelle.
Hast du in deinem Heimatland schon einen Beruf gelernt, lohnt sich ein Blick auf das Portal Anerkennung in Deutschland. Vielleicht kann dein Abschluss anerkannt werden, und du brauchst keine ganze Ausbildung mehr.
Geld für den Anfang
In einer dualen Ausbildung bekommst du jeden Monat eine Vergütung. Für einen Ausbildungsbeginn im Jahr 2026 sind das mindestens 724 Euro brutto im ersten Jahr, oft deutlich mehr. Im Durchschnitt aller Tarifverträge waren es 2025 rund 1.209 Euro im Monat.
Davon bezahlst du in Deutschland Miete, Essen, Fahrten und Versicherungen. Plane außerdem Geld für den Start ein: für die Reise, die Kaution für die Wohnung und die erste Miete, bevor die erste Vergütung kommt. Für das Visum musst du zeigen, dass dein Lebensunterhalt gesichert ist. Mehr dazu im Artikel Visum für die Ausbildung.
Einen Ausbildungsplatz finden
- Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit: die größte Seite für Ausbildungsplätze in Deutschland. Du kannst nach Beruf und Ort suchen.
- Lehrstellenbörsen der Kammern: Die Industrie- und Handelskammern (IHK) und die Handwerkskammern haben eigene Börsen.
- Make it in Germany: Informationen für Menschen aus dem Ausland und Stellenangebote.
- Websites der Betriebe: Viele Firmen schreiben ihre Ausbildungsplätze nur auf der eigenen Website aus.
- Direkt fragen: Gerade kleine Handwerksbetriebe freuen sich über eine Bewerbung, auch ohne Anzeige.
Die meisten Ausbildungen beginnen am 1. August oder 1. September. Viele Betriebe suchen schon ein Jahr vorher. Fang also früh an.
Die Bewerbung
Eine Bewerbung in Deutschland besteht meist aus einem Anschreiben, einem Lebenslauf und deinen Zeugnissen. Die meisten Betriebe wollen sie per E-Mail oder über ein Online-Formular, als PDF.
Deutsche Betriebe erwarten eine bestimmte Form. Wie das geht, liest du in unseren Artikeln zum Anschreiben und zum Lebenslauf. Deine Zeugnisse brauchst du auf Deutsch. Für das Visum und die Anerkennung brauchst du meist beglaubigte Übersetzungen. Frag den Betrieb, ob für die Bewerbung eine einfache Übersetzung reicht.
Das Visum
Kommst du aus der EU, aus Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz, brauchst du kein Visum. Du meldest dich in Deutschland einfach bei der Stadt an.
Aus den meisten anderen Ländern brauchst du ein Visum zur Berufsausbildung. Das beantragst du, wenn du einen Ausbildungsplatz hast. Bist du jünger als 35 und hast einen Schulabschluss, der dich zum Studium berechtigt, gibt es außerdem ein Visum, mit dem du bis zu neun Monate in Deutschland einen Ausbildungsplatz suchen kannst. Alles dazu steht im Artikel Visum für die Ausbildung.
Nach der Ausbildung
Mit einem deutschen Berufsabschluss bist du eine Fachkraft. Viele Betriebe übernehmen ihre Auszubildenden. Wenn nicht, kannst du nach einer erfolgreichen Ausbildung in Deutschland bis zu 18 Monate lang hier eine Arbeit suchen, wenn dein Lebensunterhalt gesichert ist.
Kurz zusammengefasst
- Deutsch lernen, bis mindestens B1
- Unterlagen vorbereiten: Zeugnisse übersetzen lassen, Lebenslauf und Anschreiben auf Deutsch schreiben
- Ausbildungsplätze suchen und dich bewerben
- Vorstellungsgespräch, oft per Video
- Ausbildungsvertrag unterschreiben
- Visum beantragen, wenn du eines brauchst
- Einreisen, Wohnung anmelden, Ausbildung beginnen